Schwarze Zahlen
Steckt der Tourismus am Neusiedler See im "Sommerloch"?

- Die Statistik zeigt rückläufige Buchungszahlen rund um den Neusiedler See. Viele Betriebe sind mit der derzeitigen Buchungslage aber zufrieden.
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Das schlechte Wetter im Mai sorgte für sinkende Nächtigungszahlen im Vergleich zum Vorjahr und auch der Juni brachte laut Statistik keine Erholung. Events in Mörbisch oder St. Margarethen sollten daher Gäste ins Land locken, sollte man meinen. Die RegionalMedien Burgenland haben sich in den Seegemeinden umgehört.
NEUSIEDLER SEE. Im heurigen Mai kamen mit 102.120 Ankünften nahezu gleich viele Gäste ins Burgenland wie im Vorjahr. Allerdings ist die Anzahl der Nächtigungen im Vergleich zum Mai 2022 um 3,4 % zurückgegangen. Auch der Juni brachte keine Besserung, wie ein Bericht der Statistik Austria zeigt. Insbesondere die nächtigungsstarken Gemeinden rund um den Neusiedler See mussten starke Einbußen in Kauf nehmen. Mit rund 300.000 Übernachtungen fehlen rund 40.000 auf das Vorjahresergebnis. Das entspricht einem Minus von rund 12 Prozent. Die RegionalMedien Burgenland haben sich auf Spurensuche rund um den Neusiedler See begeben und bei den Betrieben nachgefragt.
Buchungslage auf Vorjahresniveau
Laut Tourismus Burgenland, leiden die Beherbergungsbetriebe rund um den See immer noch unter der medialen Berichterstattung rund um den Wasserstand des Sees. Thema: ORF Dok 1 Reportage "Neusiedl ohne See". Anders sehen das beispielsweise die Esterhazy Betriebe, die Betreiber des Campingplatzes in Breitenbrunn. Hier sei die Auslastung, ohne genaue Zahlen zu nennen, auf Vorjahresniveau, wie eine Sprecherin des Unternehmens angibt. Waren es in der Vorsaison hauptsächlich Besucher aus Deutschland und Österreich, kommen seit Juli vorwiegend Urlauber aus Tschechien, der Slowakei und Polen auf den Campingplatz. Bezüglich des Wasserstandes des Sees werde jedenfalls nicht weiter nachgefragt. Die Touristen würden sich bereits vorab selbst informieren.

- Bei der Bootsvermietung in Rust stehen die Elektroboote für die Touristen bereit.
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Zufriedene Mörbischer
Was dem Tourismus im Sommer sichtlich wieder gut tut, sind die zahlreichen kulturellen Veranstaltungen. Mit fast 180.000 verkauften Karten lockt Mamma Mia! oder die Oper im Steinbruch doch einige Gäste ins Burgenland.
Monika Fischl vom Weinhof Kranixfeld in Mörbisch muss heuer "wirklich auf Holz klopfen", wie Sie auf Anfrage der RegionalMedien Burgenland sagt. Die Buchungslage sei entgegen der Statistiken sehr gut. "Bis Mitte September sind wir eigentlich ausgebucht", so die Betreiberin. Die Seefestspiele tragen ihren Teil dazu bei, wobei die "jüngere Generation der klassischen Musicalbesucher" nur zwei bis drei Tage auf Urlaub bleibe. Ob die Negativwerbung zum Umsatztief im Tourismus beitrage, kann Fischl nicht sagen. Ein Imageschaden sei es aber allemal.
"Frechheit gegenüber der Bevölkerung"
Dasselbe Bild im Privathotel "Das Schmidt" in Mörbisch: Betreiber und ehemaliger Obmann des Tourismusverbandes Mörbisch, Gerhard Schmidt ist mit der Buchungslage äußerst zufrieden. "45 Prozent unserer Gäste kommen aus Österreich, 45 Prozent aus Deutschland, der Rest aus der Schweiz, Ungarn und Tschechien" so der Chef des kleinsten vier Sterne-Hotels am Neusiedler See. Die Gäste seien in der Hauptsaison vor allem Stammgäste. Über die Negativwerbung zum Wasserstand des Neusiedler Sees verliert Schmidt ebenfalls kein gutes Wort: "Es ist nicht nur ein Imageschaden sondern auch eine Frechheit gegenüber der Bevölkerung. Ein Hohn des ORF, wie eine solch sensible Landschaft durch den Kakao gezogen wird. Es ist geschehen und wird wieder geschehen."

- In blau der derzeitige Wasserstand des Neusiedler Sees. Die grüne Linie zeigt den Wasserstand aus dem Vorjahr.
- Foto: Wasserportal Burgenland/Screenshot
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Wasserstand im grünen Bereich
Besser als im Vorjahr präsentiert sich immer noch der Wasserstand des Neusiedler Sees. Nach den vielen Regenfällen ist die Wanne gut gefüllt. Mit 115,11 Metern über Adria (Stand 26.7.2023) liegt der Wert ein gutes stück über dem des Vorjahres. Weit weg vom maximalen Stand oder etwa dem mittleren Wert ist der Neusiedler See aber immer noch.
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