Erste Ergebnisse präsentiert
Archäologische Grabungen in St. Barbara

- Präsentation der ersten Ergebnisse der archäologischen Grabungen 2023 und 2024 im Festsaal von St. Barbara.
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Erste Ergebnisse nach den archäologischen Grabungen in St. Barbara in den Jahren 2023 und 2024. Darunter vielleicht das älteste Schriftzeugnis im Ostalpenraum.
ST. BARBARA. Es könnte die Sensation der archäologischen Grabungen in St. Barbara sein: ein verzierter Spinnwirtel. Darauf möglicherweise zu lesen: eine Inschrift im norditalienischen Alphabet. Sollte dies der Fall sein, was aktuell gemeinsam mit italienischen Expertinnen und Experten überprüft wird, handelt es sich dabei um das älteste Schriftzeugnis im Ostalpenraum.
Archäologische Grabungen
Seit 2023 finden in St. Barbara durch Archäologe Raimund Karl und sein Team archäologische Grabungen statt, wo Hinweise auf eine Siedlung der Späthallstattzeit (ca. 800–450 v.Chr.) entdeckt wurden. Die ersten Ergebnisse dieser und der Grabung im vergangenen Jahr wurden im Festsaal der Marktgemeinde St. Barbara präsentiert.
"Wir haben 2024 einige weitere interessante Funde gemacht. Darunter ein Kugelkopfnadelfragment, weitere Webgewichte, vier Spinnwirtel, davon ist einer verziert, Hallstattzeitliche-Keramik, ein Siebgefäßfragment, spätere Keramik und Münzen."
Raimund Karl, Archäologe und Grabungsleiter

- Archäologe Raimund Karl erklärte den Besucherinnen und Besuchern die Details der Grabungen.
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Und genau diese verzierte Spinnwirtel gilt es aktuell näher zu untersuchen, wie Karl bestätigt. Vermutet wird, dass es sich dabei um ein hallstattzeitliches Schriftzeugnis handelt. Dieses Fundstück wurde nächst eines Webstuhls gefunden.
Eine Spindel besteht aus einem schmalen Stab und aus einem Gewicht, das auf den Stab gesteckt wird. Dieses Gewicht wird Spinnwirtel genannt. Sie wurden aus vielen Materialien hergestellt, unter anderem aus Ton, Knochen, Holz und Glas.

- Die Sensation? Die gefundene verzierte Spinnwirtel.
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Helfer bei den Grabungen
Die Grabungen 2024 dauerten dreieinhalb Wochen und wurden unter reger Beteiligung der Bevölkerung durchgeführt. "98 Freiwillige haben geholfen, darunter rund 25 Metallsucherinnen und Metallsucher", erzählt Karl. Von den 2.000 Metallfunden sei über 90 % "Schrott" gewesen, die restlichen 10 % zum größten Teil Gegenstände aus dem 16. und 17. Jahrhundert. 1 % der Metallfunde waren römische Funde, ein datierbarer hallstattzeitlicher Fund wurde entdeckt – dabei handelte es sich um das Kugelkopfnadelfragment.

- Die Besucherinnen und Besucher konnten die Fundstücke genauestens betrachten.
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Erste Zufallsfunde
Grund für die Grabungen in St. Barbara waren Zufallsfunde in den 1970er Jahren: damals wurden in unmittelbarer Nähe zur jetzigen Grabungsstätte zwei Speerspitzen aus der Latènezeit, Jüngere Eisenzeit (etwa 450 v. Chr. bis zurzeit um Christi Geburt) und ein Bronzehenkel aus der römischen Kaiserzeit (etwa 100 bis 200 n. Chr.) gefunden.

- Eine kleine Auswahl der Funde der Grabungen in Mitterdorf.
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Die bisherigen Ergebnisse lassen vermuten, dass sich mitten in Mitterdorf ein historisch bedeutungsvolles Siedlungs- und Gräberfeld samt wichtiger Verkehrsroute befunden hat. In Zusammenhang könnten diese Funde mit den Höhensiedlungen auf dem Wartbergkogel und Karnerkogel stehen. Raimund Karl und sein Team hoffen, dass sie ihre Untersuchungen in Mitterdorf heuer wieder fortsetzen können, um weitere Erkenntnisse gewinnen zu können.

- Auch Bürgermeister Jochen Jance war zur Präsentation der Ergebnisse gekommen.
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Hintergrund der Nachforschungen
Der gebürtige Veitscher Günter Singer begab sich im Mürztal auf die Spurensuche der Kelten. Herausgekommen dabei: die Wiederentdeckung bisher nicht erforschter, historisch bedeutender Kelten-Schauplätze in St. Barbara und eine nach wie vor geplante Hollywood-Filmproduktion, wie Freunde Singers bestätigen.
Archäologe Raimund Karl, ein Freund von Singer, und Kelten-Fachmann in Europa, entdeckte gemeinsam mit seinem Team bei Grabungen in Mitterdorf 2023 eine Siedlung der Späthallstattzeit (ca. 800–450 v.Chr.). Eine wahre Sensation, denn Siedlungen aus dieser Zeit sind aus dem Mürztal bisher unbekannt gewesen.
Aufgrund der interessanten Ergebnisse und um mehr über die 2.500 Jahre alten gefundenen Gegenstände zu erfahren, wurde im vergangenen Jahr in Mitterdorf weiter gegraben.

- Rund 60 Besucherinnen und Besucher folgten den Ausführungen von Raimund Karl.
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