Gesundheit
HNO-Arzt aus Wolfsberg: "Jede Hörstörung gehört abgeklärt"
- HNO-Arzt Michael Markitz aus Wolfsberg empfiehlt Gehörschutz bei Lärmbelastung und rät dazu, Hörstörungen frühzeitig medizinisch abklären zu lassen.
- Foto: Privat
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Lärm im Alltag, laute Konzerte oder die falsche Ohrenpflege: Unser Gehör ist zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Der Wolfsberger HNO-Arzt Michael Markitz erklärt, worauf man achten sollte, wann Hörschäden drohen und weshalb man mit Hörgeräten nicht zu lange warten sollte.
WOLFSBERG. Das Gehör zählt zu den empfindlichsten Sinnesorganen des Menschen. Dennoch wird es im Alltag oft stark beansprucht. Ob laute Maschinen, Musik über Kopfhörer oder Konzerte mit hoher Lautstärke: Die Auswirkungen auf die Ohrengesundheit werden häufig unterschätzt. HNO-Arzt Michael Markitz aus Wolfsberg gibt Einblicke in die häufigsten Ursachen für Hörschäden und verrät, wie man sein Gehör schützen kann.
Lärm als Risiko für das Gehör
Sowohl kurzzeitige als auch dauerhafte Lärmbelastungen können das Hörvermögen beeinträchtigen. "Man sagt, jeder Lärm über 60 bis 65 Dezibel ist potenziell schädigend. Das entspricht ungefähr dem Lärmpegel einer normalen Tischkreissäge", erklärt Markitz. Grundsätzlich gelte: Je höher der Schallpegel, desto größer das Risiko für einen Hörschaden.
Dabei unterscheidet die Medizin zwischen akutem und chronischem Lärmschaden. Akute Beschwerden treten beispielsweise nach einem Konzert oder einem Diskothekenbesuch auf. Betroffene berichten häufig von einem dumpfen Hörgefühl oder einem Pfeifen im Ohr. "Diese Beschwerden haben meist eine gute Prognose und bessern sich oft innerhalb weniger Stunden wieder", sagt der HNO-Arzt. Anders verhält es sich bei chronischer Lärmbelastung. Menschen, die über Jahre hinweg ohne ausreichenden Schutz mit lauten Maschinen arbeiten, etwa im Tunnelbau, als Tischler oder in der Landwirtschaft, riskieren bleibende Schäden.
Gehörschutz zahlt sich aus
Um das Risiko zu minimieren, empfiehlt Markitz konsequenten Gehörschutz. Das gelte sowohl bei kurzfristigen Tätigkeiten, etwa beim Arbeiten mit einem Presslufthammer, als auch bei dauerhaftem Lärm am Arbeitsplatz. Ist bereits ein chronischer Lärmschaden entstanden, sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt.
"Wenn jemand eine schleichende Hörminderung durch Lärm entwickelt hat, kann man die Schäden nicht rückgängig machen", erklärt Markitz.
In vielen Fällen helfen dann nur Hörgeräte sowie das Vermeiden weiterer Lärmbelastungen.
Hörprobleme frühzeitig abklären
Besonders wichtig sei es, Hörstörungen ernst zu nehmen und ärztlich abklären zu lassen. Denn hinter einer Verschlechterung des Gehörs können unterschiedliche Ursachen stecken. Neben alters- oder lärmbedingter Schwerhörigkeit kommen auch Ohrenschmalz, Erkrankungen des Mittelohres oder in seltenen Fällen tumoröse Veränderungen infrage. "Grundsätzlich gehört jede Hörstörung abgeklärt", betont Markitz. Viele Betroffene würden eine schleichende Verschlechterung des Gehörs lange gar nicht bemerken, da diese über Jahre hinweg fortschreitet.
Warum frühe Hörgeräte wichtig sind
Ein besonderes Problem sieht der Wolfsberger HNO-Arzt beim Sprachverständnis. Oft hören Betroffene zwar noch Geräusche, verstehen aber gesprochene Worte zunehmend schlechter. Das liege daran, dass das Gehirn die Verarbeitung von Sprache verlernt, wenn das Gehör über längere Zeit zu wenig Reize erhält.
"Das ist wie ein Muskel, der nicht gefordert wird", erklärt Markitz. Deshalb rate er vielen Patienten bereits früh zu Hörgeräten. Wer zu lange zuwarte, habe später oft Schwierigkeiten, sich an die Hörhilfe zu gewöhnen. "Dann hören die Patienten zwar alles lauter, verstehen aber trotzdem nicht besser", so der Experte. Darüber hinaus deuten Studien darauf hin, dass unbehandelte Schwerhörigkeit im Alter mit einem erhöhten Risiko für Demenzerkrankungen verbunden sein kann.
Kopfhörer sind nicht das Problem
Immer wieder wird diskutiert, ob das Tragen von Ohrhörern grundsätzlich schädlich sei. Laut Markitz kommt es dabei jedoch nicht auf die Art der Beschallung, sondern auf die Lautstärke an.
"Ob die Musik über Lautsprecher oder Kopfhörer kommt, spielt keine Rolle. Entscheidend ist, wie laut man dem Schall ausgesetzt ist", erklärt der HNO-Arzt.
Finger weg von Wattestäbchen
Auch bei der Ohrenpflege kursieren viele Irrtümer. Besonders von Wattestäbchen rät Markitz ab. Sie könnten Verletzungen verursachen und würden das Ohrenschmalz häufig noch tiefer in den Gehörgang schieben. Die Folge können Hörminderungen, Reizungen oder Entzündungen sein. Zudem erfüllt Ohrenschmalz wichtige Funktionen. Es schützt und pflegt den Gehörgang. "Der Gehörgang reinigt sich selbst und transportiert das Ohrenschmalz nach außen", erklärt Markitz. Entfernt werden müsse daher nur jenes Ohrenschmalz, das ohnehin bereits nach außen gelangt ist. Sein Rat lautet deshalb klar: "In den Gehörgang sollte man nichts einführen."
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