Kärntner Ess-Kultur
Unsere Wirte wollen weiterhin leistbar bleiben

- Die Familie Ulbing vom Gasthof Ulbing in Techelsberg am Wörthersee setzt weiterhin auf Regionalität.
- Foto: Caroline Knauder
- hochgeladen von Mag. Stephan Fugger
Noch kostet hier das Wiener Schnitzel unter 20 Euro: Das sagen die drei Wirtshaus-Kulturbetriebe Fleissner am Zollfeld, Ulbing in Techelsberg und Plasch in Ferlach zum Teuerungsdilemma.
MARIA SAAL, TECHELSBERG, FERLACH. Die Woche hat bei drei Wirten, die Mitglieder des Vereins Kärntner Wirtshaus-Kultur sind, nachgefragt, wie sie mit der schwierigen Lage umgehen und ob die Kärntner Wirtshauskultur noch eine Berechtigung hat. Auch die Frage, was das kulinarische Heiligtum von Frau und Herrn Österreicher – das Wiener Schnitzel – kostet, wollten wir wissen.
Beim Fleissner
Der Gasthof Fleissner am Maria Saaler Zollfeld steht für Hausmannskost in Reinkultur. Für 9,50 Euro bekommt man hier aktuell das Wiener. "Die Gäste kommen zu uns, weil wir ein Traditionsbetrieb sind. Vieles kommt aus dem eigenen Garten, das Fleisch aus der Region", sagt Chefin Heidrun Fleissner. Beliebt sind u. a. Spezialitäten vom Rind, wie der Tafelspitz. Als Familienbetrieb kann man bei den Preisen moderater bleiben. "Wir wollen ein Gasthaus für alle sein. Das Menü kann nicht 20 Euro kosten. Das Wirtshaus soll leistbar bleiben", sagt Fleissner entschlossen. Wer zum Fleissner essen gehen will, sollte reservieren. "Die Zeiten, als man einfach so essen gehen konnte, sind vorbei", lacht die Chefin. Die abgetrennten Gasträume und Stuben stehen bei Gruppen und Vereinen hoch im Kurs.
Kegelscheiben wie damals
Geschätzt wird beim Zollfelder Traditionsbetrieb das gemütliche Ambiente. Wirtshauskultur wird hier mit Veranstaltungen wie dem Schnapserturnier und dem Bauernball noch gelebt. Anno dazumal konnte kein Gasthaus ohne sie: die Kegelbahn. Beim Fleissner besteht noch die Möglichkeit zum "Kegelscheiben". "Wir sind wohl einer der letzten Betriebe mit einer Kegelbahn", sagt Fleissner.
Regionalität als Zugpferd
In Techelsberg behauptet sich, als eines der letzten Gasthäuser in der Region, das Hotel-Restaurant Ulbing. Das geliebte Wiener Schnitzel kommt hier auf 13,50 Euro. "Mit den Preisen wollen wir so moderat wie möglich bleiben", sagt Chefin Bernadette Ulbing-Gröblacher. In der sechsten Generation wird das Hotel-Restaurant in Techelsberg betrieben. "Uns zeichnet die Regionalität aus, deswegen gibt es uns noch. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen", sagt Ulbing.
Familie zahlt sich aus
Auch beim Hotel-Restaurant Ulbing bekommt man ohne Reservierung keinen Tisch. Gerade beim Wochenendausflug am Sonntag ist hier eine Tischreservierung Pflicht. Als traditioneller Kirchenwirt hat man das Wiener bewusst preislich zurückgehalten. Auch bei der Familie Ulbing wird das Konzept Familienbetrieb gelebt. "Das ist unser Vorteil gegenüber einem Großbetrieb", so Ulbing.
Bodenständige Ferlacher
Schwenk nach Ferlach zum Gasthof Plasch "Auf der Huabn". Chef Michael Plasch zur aktuellen Situation: "Alles kann man nicht weitergeben. Wir haben das Glück, dass wir vieles selbst aus der Landwirtschaft produzieren können. Das sind z.B. Jausenprodukte, Wurst und Fleisch. Natürlich sind zugleich die Futtermittel teurer geworden", so Plasch. Wie man die Preise genau weitergibt oder wie viel erhöht, kann er nicht sagen. Das Wiener Schnitzel liegt preislich aktuell bei 13,50 Euro. "Die bodenständige Kärntner Küche – ohne Schnickschnack – liegt uns am Herzen", so Plasch. Regionalität wird hier gelebt. Das Wild kommt aus dem eigenen Gehege, aus nächster Nähe die Forellen aus der Zucht. Der Fokus liegt auf Familien und Feiern. Eine Tischreservierung wird auch hier empfohlen.


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