Der Körper ist fremd für die Seele

- <b>Für Betroffene</b> ist Transsexualität eine Belastung.
- Foto: pathdoc/fotolia
- hochgeladen von Lucia Schnabl
Dr. Philip Streit hilft, wenn das biologische Geschlecht nicht das richtige ist.
Sich als Mann wie eine Frau zu fühlen oder umgekehrt, ist eine ernstzunehmende Tatsache. In der Forschung gibt es immer mehr Indizien dafür, dass Transsexualität pränatal geprägt wird. Sie ist ein Faktum, wie die Haarfarbe. Ebenfalls ein Faktum ist, dass Transsexuelle massiven Belastungen ausgesetzt sind: Sie hadern mit der eigenen, inneren Diskrepanz, mit dem Unverständnis ihres Umfelds und sind Ziel mannigfaltiger Diskriminierung. Denn das Thema ist, trotz gesellschaftlicher Liberalisierung, immer noch ein großer Aufreger.
Eine Geschlechtsumwandlung ist eine nur sehr schwer reversible Angelegenheit. Nicht umsonst sehen in Österreich Richtlinien ganz klar vor, dass auch nach Erreichen der Volljährigkeit drei verschiedene Gutachten vorgelegt werden müssen. Auch, um die eigene psychische Situation und Motivation vorab eindringlich zu klären.
Hier nun einige Tipps:
1. Informieren Sie sich auf den Seiten des Sozialministeriums und der RosaLila Pantherinnen.
2. Bleiben Sie nicht allein. Sprechen Sie im vertrauten Kreis über Ihre Gefühle. Suchen Sie sich therapeutische oder beratende Begleitung. Eine Liste gibt es beim Institut für Kind, Jugend und Familie.
3. Stehen Sie zu sich, zu Ihren Ambivalenzen und Gefühlen. Es ist so, wie es ist.
4. Lassen Sie sich abklären, einen Hormonspiegel machen, eine humangenetische Untersuchung, möglicherweise auch eine psychologische Diagnostik.
5. Finden Sie Ihren Weg, am besten mit Hilfe von Beratung und Begleitung.
Erleben Sie die Dinge, wie sie sich entwickeln.
6. Für Eltern: Akzeptieren Sie – auch als Eltern – die mögliche Transsexualität ihres Kindes.
7. Führen Sie behutsam die nötigen Schritte durch, wenn nötig bis zur Geschlechtsumwandlung.
8. Erleben Sie die Dinge, wie sie sich entwickeln. Transsexuelle können Dinge über sich erfahren, die anderen verschlossen bleiben.
Der Experte:
Dr. Philip Streit
Philip Streit ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut, Lebens- und Sozialberater.
Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz.
Telefon: 0316/77 43 44
Web: www.ikjf.at
Leser-Fragen bitte an: redaktion.graz@woche.at oder per Post an „WOCHE Graz“, Gadollaplatz 1/6. Stock, 8010 Graz
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.