Dutzende Geschäfte geschlossen
Hat die Wiedner Hauptstraße ein Problem mit Leerstand?
- Wie viele Geschäftslokale stehen auf der Wiedner Hauptstraße leer? MeinBezirk hat den Status quo überprüft.
- Foto: Luca Arztmann/MeinBezirk
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Immer wieder melden sich Bewohnerinnen und Bewohner bei MeinBezirk mit der Sorge, die Wiedner Hauptstraße verkomme zu einer Geisterstraße. Statt bunter Geschäfte gebe es nur Leerstand. Entspricht das der Wahrheit? MeinBezirk hat nachgeforscht.
WIEN/WIEDEN/MARGARETEN. Sie startet beim Matzleinsdorfer Platz, zieht durch Margareten auf die Wieden und mündet schließlich in den Karlsplatz. Die Wiedner Hauptstraße ist eine der zentralen Verkehrswege durch die innerstädtischen Bezirke – ob mit dem Rad, zu Fuß oder mit dem Auto.
Der prominenten Position der Straße zufolge würde man vermuten, die Wiedner Hauptstraße sei gerne frequentiert. Doch ein Spaziergang durch Margareten und die Wieden zeugt vom Gegenteil. Statt leuchtender Schaufenster heruntergezogene Türgitter und verklebte Fenster, statt einladender Geschäftseingänge ungenutzte Räume. Hat die Wiedner Hauptstraße ein Leerstandproblem?
Drei neue Treffpunkte im Grätzl
Auf der Plattform der Wirtschaftskammer Wien (WKW) "freielokale" sind, Stand Donnerstag, 19. März, neun Betriebe auf der Straße gemeldet. Genaue Zahlen, welche Lokale derzeit aktiv seien, gebe es nicht, erklärt die WKW gegenüber MeinBezirk. Um zu prüfen, wie viele Lokale im 5. Bezirk tatsächlich leer stehen, hat sich MeinBezirk auf die Pirsch gemacht und die Straße abgezählt.
Resultat: geschätzte 24 Geschäftslokale waren an einem Nachmittag unter der Woche geschlossen und machten nicht den Eindruck, jüngst aufgesperrt worden zu sein. Margaretens Bezirksvorsteher Michael Luxenberger (Grüne) betont: „Die Wiedner Hauptstraße ist seit Langem ein unterschätztes Grätzl, dabei steckt hier großes Potenzial."
- Zugenagelt und geschlossen – so geht es mehreren Geschäftslokalen auf der Wiedner Hauptstraße. MeinBezirk verschafft einen Überblick.
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Erste Schritte zur Attraktivierung werden bereits gesetzt – etwa mit dem Ausbau des Radweges an der Grenze zur Wieden. Weitere sollen folgen: An drei Stellen entlang der Straße sollen Orte per Anrainerbefragung neugestaltet und so zu kleinen Treffpunkten im Grätzl werden. Um den Leerstand im Bezirk zu verringern, tausche sich Luxenberger regelmäßig mit der Wirtschaftsagentur Wien aus.
"Glasscherbenviertel"
Der längere Teil der Wiedner Hauptstraße befindet sich im 4. Bezirk. Dort hat ein Anrainer MeinBezirk unterstützt. Die immer mehr schließenden Lokale nervten ihn, also zählte er nach: 22 Geschäftsimmobilien standen zuletzt im Wiedner Abschnitt leer: "Wenn sich dieser Trend fortsetzt, sieht die Visitenkarte der Wieden bald ein wenig nach 'Glasscherbenviertel' aus", schreibt er. MeinBezirk hat die Zahlen auf Korrektheit überprüft.
Auf der Wiedner Seite wurde die Hauptstraße bereits neugestaltet, der Abschnitt gilt als "Geschäftsstraße" und unterliegt somit besonderen Regelungen beim Parken. Das ist umso ärgerlicher für Anrainer, die nicht parken dürfen, aber dennoch keine Geschäfte im Umfeld haben.
Wenngleich eine Fluktuation an öffnenden und schließenden Geschäften normal sei, stehe die Branche derzeit wegen des Online-Handels und steigender Geschäftsraummieten unter Druck, erklärt die Wiedner Bezirksvorsteherin Lea Halbwidl (SPÖ).
Mehr Frequenz, mehr Kunden
"Dass ausgerechnet von Wirtschaftsseite die Anwendung der Mietpreisbremse auf Geschäftsraummieten abgelehnt wurde, ist für mich daher auch unverständlich. Auch eine Leerstandsabgabe könnte hilfreich sein", so Halbwidl.
- Die neugestaltete Wiedner Hauptstraße auf der Wiedner Seite wirke sich positiv auf die Beliebtheit der Straße aus, betont die Wirtschaftskammer Wien.
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Der Bezirk unternehme seinerseits alles Mögliche, um den öffentlichen Raum attraktiver zu gestalten. Großer Schritt war die Umgestaltung: "Mehr Frequenz bringt mehr potenzielle Kundinnen und Kunden", so die Bezirkschefin.
Mehrmals hätte man im Bezirk leer stehende Lokale mit öffentlicher Infrastruktur belebt – so etwa das Teenie- und Grätzlzentrum Fux 4 oder die "Zukunftshandlung" auf der Wiedner Hauptstraße 60B. Mit diversen Gutschein-Verlosungen bewerbe die Bezirksvorstehung aktiv die Fachgeschäfte im Bezirk.
"Es braucht Leerstand"
Bei "Schmankerl-Touren" lade die Bezirksvorstehung neu Zugezogene zu Grätzlspaziergängen ein, um tolle Lokale und Geschäfte der Umgebung kennenzulernen. "Denn der Beitrag, den wir alle gegen Leerstand leisten können, ist, vor Ort einzukaufen."
Zählt man die zwei Bezirke zusammen, gibt es aktuell rund 46 leer stehende Geschäftslokale im Erdgeschoss. Insgesamt gibt es im Erdgeschoss der Wiedner Hauptstraße 260 Geschäftslokale, hat die WK Wien Ende 2024 das letzte Mal gezählt. Grob geschätzt stehen also ein Fünftel der Geschäfte leer.
Gewisser Leerstand sei notwendig
Die Wirtschaftskammer Wien unterstreicht die Aussage der Wiedner Bezirkschefin, ein gewisser Leerstand sei normal – und sogar notwendig: "Jedes Jahr werden in Wien rund 10.000 neue Unternehmen gegründet, viele davon benötigen ein Geschäftslokal. Deshalb ist es sogar wichtig, dass es eine ausreichend verfügbare Anzahl an leerstehenden Geschäftslokalen gibt."
Im Durchschnitt dauert der Prozess von Schließung bis zur Neueröffnung 15 bis 20 Monate. Roland Grafl, Bezirksobmann der Wirtschaftskammer Wien für die Wieden, betont: "Die Wiedner Hauptstraße ist ein gut funktionierendes Grätzl mit einer stabilen Mischung aus traditionellen Betrieben und neuen Konzepten", die Umgestaltung auf der Wieden wirke sich positiv auf Frequenz und Attraktivität aus.
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