Theaterkritik
Kampf gegen Ungerechtigkeit in der Grazer Oper
Auf in den Sherwood Forest: In der Oper Graz feierte gestern das Familienmusical "Robin Hood" Premiere und kassierte begeisterte Standing Ovations. Nicht ganz zurecht.
GRAZ. Die Bühne in der Oper Graz hat sich in einen uralten Wald verwandelt. Da ragen riesige Stämme bis an die Decke hinauf, ein dünner Vorhang aus grünen Schnüren trennt das Publikum von den Gestalten, die durch den Sherwood Forest streifen. Und wer da durch den Wald streift! Eine gesetzlose Bande ist das, stellt der Sheriff von Nottingham gleich zu Anfang klar, ein Haufen Halunken, Vogelfreie, die es zu fassen gilt. Robin Hood.
Das neue Familienmusical nimmt sich einer Legende an, die Menschen schon seit Jahrhunderten Mut macht, sich gegen Ungerechtigkeiten aufzulehnen. Die Geschichte von Robin Hood ist zur Zeit von König Richard Löwenherz angesiedelt, der sich gerade auf Kreuzzug befindet. Stattdessen sitzt Prinz John auf dem englischen Thron, der seine Untertanen gnadenlos ausbeutet. Aber in Nottingham will man sich das nicht gefallen lassen. Robin Hood nimmt also von den Reichen und gibt den Armen. Soweit die Originalgeschichte.
Starke Frauen?
Eine wichtige Änderung haben die Autoren des Musicals jedoch vorgenommen: Sie haben auch Frauen Platz in dieser männerdominierten Legende eingeräumt. So ist der Sheriff in dieser Version eine mächtige Frau mit Augenklappe und Kettenhemd (Tini Kainrath), die die Männer in ihrer Wache ganz schön herumkommantiert. Dann ist da noch Maid Marian (Lisa Rothhardt), die um einiges vorlauter ist als in der Vorlage. Selbstbewusst tritt sie für Umweltschutz ein (man kann doch nicht einfach Bäume fällen, nur um ein Schloss zu bauen!) und spricht gesellschaftliche Ungerechtigkeiten an. Von den Männern in ihrem Umfeld möchte sie sich nichts gefallen lassen.
Einziger Haken: Im entscheidenden Moment verliebt sie sich dann doch hilflos in Robin Hood (Christoph Steiner) und flüchtet sich in seine Arme. Und das ist schade, weil die Marian in dieser Interpretation das Potential dazu hätte, ein echtes Vorbild für die Mädchen im Publikum zu sein. Dazu hätte es allerdings ein paar einschneidendere Eingriffe in die Geschichte gebraucht und ein bisschen mehr Mut von Regieseite.
Die Welt verändern
Was durchaus paradox ist, vor allem da "Robin Hood" im Kern eine Geschichte ist, die sich um den Mut zur Veränderung dreht. Den Mut, sich gegen Unterdrückung zu stellen, Ungerechtigkeiten anzuprangern und sich gemeinsam dafür einzusetzen, dass diese Welt eine bessere wird. Robin Hood und seine Bande von Vogelfreien geben auch angesichts völliger Aussichtslosigkeit nicht auf und (Achtung, Spoiler!) obwohl sie den Sherwood Forest am Ende nicht alleine retten können, ist die Moral von der G'schicht klar. Wenn es sich für etwas zu kämpfen lohnt, dann tut es!
Ein Spaß für die ganze Familie
Bei all diesem Ernst darf aber auch der Spaß nicht zu kurz kommen: Gekonnt verweben die Regisseure allerlei aktuelle Referenzen in die Geschichte des legendären Bogenschützen. Da werden die Wachen aufgrund des Brexits knapp und Prinz John inhaliert sein Erkältungsmittel in Darth Vader-Manier. Vor allem die Star Wars-Referenzen kommen an – und das nicht nur beim jungen Publikum. "Robin Hood" beweist damit etwas, das nicht selbstverständlich ist: Kindertheater kann auch für Erwachsene höchst unterhaltsam sein. Das macht vieles wieder gut. Zwar nicht "Standing Ovations"-gut, aber zumindest "stürmischer Applaus"-gut.
Mehr Information
"Robin Hood" , ein Musical von Robert Persché und Walter Raidl
(für die ganze Familie ab der 1. Schulstufe)Nächste Vorstellungen:
- Sonntag, 14.11. von 11 bis circa 13 Uhr
- Montag, 15. 11 von 10.30 bis circa 12.30 Uhr
Karten gibt es online.
Tipp: Alle Songs aus dem Musical sind auch als Hörbuch erschienen. Die CD gibt es bei den Vorstellungen zu erwerben oder online zum Download.
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