"Raus aus dem Asphalt"
Wieso die Favoritenstraße nach Bauende wieder asphaltiert wird
- Neue Bäume, neue Blumenbeete und mehr Schatten. Mit der Umgestaltung soll die Favoritenstraße ihren Status als Hitzeinsel verlieren. Wieso wird also der Boden wieder asphaltiert?
- hochgeladen von Nathanael Peterlini
Der erste Teil der umzugestaltenden Favoritenstraße ist fertiggestellt und lädt zum Flanieren ein. Doch aufmerksamen Augenpaaren ist aufgefallen: Erneut wurde die Straße asphaltiert. Wieso wurde nicht heller Pflasterstein eingesetzt? Das wollten die Grünen Favoriten per Anfrage ermitteln.
WIEN/FAVORITEN. Es ist eine der größten Baustellen, die Favoriten in den vergangenen Jahren zu sehen bekommen hat. Die Fußgängerzone Favoritenstraße wird umgestaltet. Inzwischen wurde bereits mehr als die Hälfte der Arbeit erledigt, zu Jahresende sollte das Projekt vollendet sein.
Wieso hatte die Favoritenstraße eine Auffrischung nötig? Allem voran der Kühle zuliebe: Das Grätzl gilt als Hitzeinsel – weitreichende Versiegelung, wenig Grün und wenig Schatten. Mit neuen Bäumen und neuer Ausrichtung möchte die Stadt das ändern – unter dem Motto "Raus aus dem Asphalt". Mit Blick auf die Projektentwürfe stellen sich die Grünen Favoriten aber die Frage, ob die Stadt nur halbherzig ihrer Devise nachgeht.
Rein in den Asphalt?
Grund für diese Annahme ist der Bodenbelag in der Fußgängerzone. Statt hellem Pflasterstein oder anderen Alternativen lächelt einem im bereits vollendeten Abschnitt wieder dunkler Asphalt entgegen. Ein Schritt, der ohne Kontext zu Unverständnis führte. Die Grünen Favoriten stellten eine Anfrage in der Bezirksvertretungssitzung. MeinBezirk liegt die Antwort der Stadträtin für Stadtentwicklung, Ulli Sima (SPÖ), vor.
Die Stadt Wien arbeitet "auf Hochtouren daran, den öffentlichen Raum klimafit umzugestalten und stark versiegelte Plätze und Straßenzüge aufzubrechen, zu begrünen und abzukühlen", leitet Sima die Anfragenbeantwortung ein. Sie betont, welche Maßnahmen zur Abkühlung getroffen werden: 2.500 Quadratmeter neue Grünflächen sowie 135 neue Baum- und Strauchpflanzungen, zahlreiche Sitzmöglichkeiten, Wasserelemente und Aufenthalts- und Bewegungsbereiche.
Überdeckung nur 20 Zentimeter dick
Wieso also die Umgestaltung mit Pflastersteinen abrunden? "Aus technischen Gründen können nicht überall in der Stadt all diese Maßnahmen in Kombination eingesetzt werden", erklärt Sima: "So sind Baumpflanzungen z.B. über Gas- oder Wasserleitungen oftmals nicht möglich, oder der Einsatz von einer entsiegelten Pflasterung aufgrund des Unterbaus nicht sinnvoll."
- Teilweise sei die Überdeckung von U-Bahn zur Straße nur 20 Zentimeter dick – zu wenig für befahrbaren Pflasterstein.
- Foto: Nathanael Peterlini/MeinBezirk
- hochgeladen von Nathanael Peterlini
Das treffe auf die Favoritenstraße zu. Der Boden zwischen U-Bahn und Straßenoberfläche sei teilweise nur 20 Zentimeter dick. "Dort konnte kein Pflaster mit den Anforderungen der Befahrbarkeit technisch ausgeführt werden." Anders ist das am Platz der Kulturen: Dort liegt die U-Bahn tiefer, ergo konnte befahrbares Pflaster verlegt werden.
Eine Frage wurde den Grünen nicht beantwortet: Wieso wurde kein alternativer Belag – wie etwa der beige Asphalt in der Bregenzer Fußgängerzone – verwendet? "Dazu wird das zuständige Magistrat nun vermutlich noch einmal eine Stellungnahme abgeben", hofft die Klubvorsitzende der Grünen, Katrin Fallmann.
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