Anrainer atmen auf
Schmidgasse in der Josefstadt wird doch nicht bemalt
- Eine künstlerische Bemalung sollte den Charakter eines Abschnitts der Schmidgasse als Wohnstraße sichtbarer machen.
- Foto: Pia Rotter/MeinBezirk
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Beim Dialogabend vom Grätzllabor Josefstadt im Bezirksmuseum Josefstadt am Mittwoch, 22. April, ging es hoch her. Zahlreiche Josefstädterinnen und Josefstädter erschienen, um über die Zukunft der Schmidgasse zu diskutieren.
WIEN/JOSEFSTADT. Ein Abend, der als Dialog angekündigt war, entwickelte sich rasch zu einem Ventil für angestaute Emotionen: Der Festsaal im Bezirksmuseum Josefstadt war bis auf den letzten Platz gefüllt, als am Mittwoch, 22. April, über die geplante Bodenbemalung der Schmidgasse diskutiert wurde. Schon zu Beginn lag eine spürbare Spannung in der Luft – und sie sollte den gesamten Abend über nicht abreißen.
Ausgangspunkt der Debatte ist ein Projekt des Grätzllabors Josefstadt: Eine künstlerische Bemalung sollte den Charakter eines Abschnitts der Schmidgasse als Wohnstraße sichtbarer machen. Bereits im Vorfeld hatte das Vorhaben für Kritik gesorgt – unter anderem wegen mangelnder Einbindung der Anrainer sowie Zweifel am Nutzen, etwa für die Barrierefreiheit. Für die Umsetzung wurden 15.000 Euro bewilligt.
Bewusstsein schärfen
Projektleiterin Andrea Mann betonte gleich zu Beginn die Intention: Die Schmidgasse sei „eine Gasse mit besonderen Einrichtungen“ – vom Bezirksmuseum über die VHS bis zur Volksschule – und ein wichtiger Schulweg. Gleichzeitig werde die Wohnstraße oft missachtet, Autos fahren trotz Verbots durch. „Vielen ist gar nicht bewusst, dass das eine Wohnstraße ist“, sagte Mann. Die geplante Bemalung sollte genau hier ansetzen und das Bewusstsein schärfen.
- Andrea Mann stand Rede und Antwort.
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Doch im Saal regte sich rasch Widerstand. Zwischen Wortmeldungen, Zwischenrufen und teils lautstarken Diskussionen kippte die Stimmung immer wieder. Gelächter, Applaus und empörte Zurufe wechselten sich ab. Die zentrale Nachricht kam früh am Abend: Die geplante Bodenbemalung wird nicht umgesetzt. „Wir wollen nichts gegen den Widerstand der Anrainer umsetzen“, erklärte Mann.
Generell keine Veränderung
Mehrere Anrainerinnen und Anrainer machten deutlich, dass sie generell keine Veränderung wollen. „Die Schmidgasse war immer sicher“, sagte eine junge Bewohnerin, die seit Kindestagen in der Schmidgasse wohnt. Eine Bodenbemalung würde daran nichts ändern, vielmehr würden bestehende Regeln schlicht ignoriert.
Andere Anrainerinnen und Anrainer verwiesen auf die angespannte Parkplatzsituation im Bezirk: „Wir brauchen die Straße zum Durchfahren“, betonte eine Anrainerin und schilderte, wie lange die Parkplatzsuche täglich dauere – nämlich satte 45 Minuten.
Kritik gab es auch an der Verwendung der Fördermittel. „Wenn Sie 15.000 Euro zum Verprassen haben, können Sie auch etwas anderes machen“, meinte ein Bewohner. Mann entgegnete darauf, dass die Fördermittel für eben jenes Projekt zugesagt wurden und nicht "umgemünzt" werden können. Gleichzeitig wurde ein alternativer Vorschläge von einem Josefstädter eingebracht: Ein Banner, das vor Schulbeginn auf die Wohnstraße hinweisen und Jahr für Jahr wiederverwendet werden könnten.
Kein Bedarf?
Ein besonders aufgebrachter Anrainer ging noch weiter. Solche Veranstaltungen würden bei ihm mittlerweile Sorge auslösen, sagte er – aus Angst vor weiteren Veränderungen im Grätzl. Er stellte die Frage, wie man das Grätzllabor überhaupt „loswerden“ könne. Mann entgegnete darauf, man wolle nichts gegen den Willen der Bevölkerung umsetzen. Wenn sich zeigt, dass es keinen Bedarf gebe, werde sich die Projektgruppe auf andere Straßen konzentrieren.
Zwar wurde bereits früh am Abend klargestellt, dass die geplante Bodenbemalung nicht umgesetzt wird, doch die Diskussionen ebbten danach keineswegs ab. Im Gegenteil: Viele Anrainerinnen und Anrainer nutzten die Gelegenheit, um grundsätzliche Kritik und Sorgen zur Zukunft der Schmidgasse zu äußern.
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